Die Kundgebung “Retten wir Mallorca” auch zugunsten des Tourismus
psminca | 22 Març, 2007 11:09Sehr geehrte Damen und Herren,
als Antwort zur Polemik in der deutschen Presse nach der Massenkundgebung vom 17. März in der Hauptstadt Palma mit dem Motto "Retten wir Mallorca" erlaube ich mir, Ihnen unseren Standpunkt in dieser Angelegenheit mitzuteilen und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diesen publizieren würden.
Mit freundlichen Grü²en
Antoni Alorda, Abgeordneter des Parlaments der Balearen für die Gruppe PSM-Entesa Nacionalista
Die Kundgebung "Retten wir Mallorca" auch zugunsten des Tourismus.
Wir bedauern und gleichzeitig machen wir uns Sorgen, dass ein Teil der deutschen Presse den Massenprotest vom 17. März in der Hauptstadt Palma als eine Demo gegen den Tourismus, genauer gesagt, gegen die deutschen Touristen, interpretiert hat. Auf keinen Fall ist es so, sondern ganz im Gegenteil.
Jedenfalls ging es bei der Kundgebung um die urbanistischen Exze²e, die unter anderem eine Folge des Massentourismus sind. In Wirklichkeit war sie zugunsten des nachhaltigen/umweltverträglichen Tourismus, mit dem viele Deutsche sicherlich einverstanden sind. Tatsächlich waren unten den Demonstranten auch einige Deutsche zu sehen; nicht umsonst kommen viele Inputs in Sachen Umweltbewusstsein aus Deutschland.
Was wir nicht wollen, ist eine rücksichtlose Zerstörung der Insel und die Banalisierung unserer Identität durch die Immobilien-Spekulation und die Habgier, so dass die Insel schlie²lich wie "ein Bühnenbild" aussehen würde. Die übermässige Bebauung und der Massentourismus verursachen Landschaftszerstörung, Qualitätsverlust in vielen malerischen, touristischen Gegenden, sowie die Verschlechterung der Lebensqualität.
Selbst die Weltorganisation für Tourismus (Erklärung von Gravenhage) hat die einschränkende Idee der "Aufnahmekapazität" übernommen und den einflussreichen Brundtland-Bericht, der für die weltweite Verbreitung des Begriffs "Nachhaltigkeit" verantwortlich ist, sehr ernst genommen. Dieser schlägt vor, "die nachhaltige Nutzungskapazität der von den Touristen besuchten Orten festzulegen". Wenn der Erfolg einer Saison nicht mit den Besucherzahlen gemessen wird oder wenn man nicht mehr dank weiteren Bebauungen, Autobahnen, Golfplätzen, Jachthäfen, usw. wachsen will, bedeutet all dies nicht, dass man gegen den Tourismus ist, sondern ganz im Gegenteil für einen Tourismus, der umweltverträglich ist und unsere eigene Kultur schützt.
In derselben Richtung bewirbt sich die Erklärung von Manila (1980) um einen mit den Traditionen, der Kultur und der Umwelt respektvollen Tourismus. Im ethischen Verhaltenskodex des Touristen (1985) wird ganz klar gesagt, dass der Umweltschutz und die Erhaltung der eigenen Kultur und besonders des Kulturgutes sehr wichtig sind. Ähnliche Grundlagen finden wir bei den Leitsätzen für nachhaltigen Tourismus (1995) und der Agenda 21. Ich glaube nicht, dass irgendjemand behaupten könnte, dass die WTO und die Europäische Union gegen den Tourismus sind.
Wir wären sehr dankbar, wenn Sie diese Anmerkungen über die Gründe und Ziele der bürgerlichen Bewegung veröffentlichen würden, damit die deutschen Bürger, mit denen wir seit Jahren problemlos zusammenleben, klar darüber informiert werden. Die Panikmache bei der Wiedergabe einer solchen Nachricht wird hier auf Mallorca missbraucht, um die Angst vor unserer wirtschaftlichen Zukunft zu verbreiten, denn das Ziel ist, den nötigen Prozess für den Schutz der noch unbebauten Naturlandschaften und die Umstrukturierung der stark belasteten Gegenden zu behindern. Wir hingegen sind voll überzeugt, dass dieser Prozess ganz positiv für alle unsere Besucher wäre.
Der Aufruf zur Rettung von Mallorca ist auch zugunsten des Tourismus. Die entgegengesetzte These der mallorquinischen Rechtsparteien, d.h. weiter bebauen, ist im besten Fall ein Ansatz für einen nicht nachhaltigen Tourismus, wenn nicht, die Ausrede für korrupte Vorgehensweisen (wie wir in Andratx gesehen haben). Falls es so weiter geht, wird eine der schönsten Mittelmeerinseln für immer zerstört bleiben, eine Insel, die, und das sollen sie verstehen, unsere Heimat ist.
Antoni Alorda, Abgeordneter des Parlaments der Balearen für PSM, eine der Parteien, die der Kundgebung "Retten wir Mallorca" zustimmten.
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